BlogBilderÜber michKontakt

Metrofahren in Mexiko

Wer als Neuankömmling nach Mexiko-Stadt kommt, wird von den schon anwesenden Landsleuten routinemäßig mit einem ganzen Bündel an guten Ratschlägen begrüßt. So weit, so gut. Die Tipps erstrecken sich hier allerdings weniger auf das angesagteste Restaurant, die schicke Galerie um die Ecke oder das üppige Kulturangebot. Was man hier viel eher um die Ohren bekommt sind Warnungen aller Art. Bloß keinen Salat essen, auf gar keinen Fall mit grünen Taxis fahren, Obst vom Händler an der Ecke, ja um Gottes Willen! Das irritiert natürlich, und erst Stück für Stück muss man für sich selbst erfahren, wie es denn um die Qualität der Ratschläge bestellt ist. Wovon ganz allgemein abgeraten wird, ist das U-Bahn-Fahren. Gut, manche Mahner mahnen einfach pauschal und gestehen im nächsten Halbsatz, dass sie aufgrund von früheren Warnungen bisher selbst noch nie Metro in Mexiko gefahren sind. Auch durchaus seriöse Reiseführer machen mit ihren Beschreibungen zunächst stutzig.
Das Wochenende scheint ein günstiger Zeitpunkt, die Probe auf's Exempel zu machen. Der erste Schritt ist immer der schwerste, und vorbei an einigen obskuren Gestalten - allerdings auch nicht nerviger als der Berliner Durchschnittspunk - geht es hinab in die Tiefe. Auf dem ersten Zwischenabsatz befindet sich der Fahrkartenschalter, Automaten gibt es nicht, Arbeitskraft ist schließlich billig hier. Eine Einzelfahrkarte kosten 2 Pesos, gerade einmal 15 Cent, ein fairer Preis also. Man kann beliebig viele Karten auf einmal kaufen, Rabatt gibt es allerdings nicht. Das Ambiente unter Tage ist nicht gerade kuschelig, aber auch nicht wesentlich anders als in Berlin, London oder Paris. Dank guter Farbmarkierungen fällt die Orientierung leicht, man sollte sich nur vorher genau überlegt haben, wohin man möchte und wo man am besten umsteigt. Ansagen am Bahnsteig oder im Zug - Fehlanzeige. Die Taktzeiten sind sehr kurz, so dass man nirgends länger als ein paar Minuten warten muss.
Die anderen Fahrgäste sehen locker und entspannt aus, so dass auch meine anfängliche Skepsis allmählich weicht. Aufgelockert wird die Fahrt durch die permanent ein- und aussteigenden Händler, fast nach jedem Halt wird eine neue Ware angepriesen. Meistens werden schwarz gebrannte CDs angeboten, und um die Vorzüge richtig zur Schau zu stellen, werden die beliebtesten Tracks auf dem mitgebrachten Geräten gleich angespielt. Man bekommt auch gleich einen Eindruck über den aktuellen Musikgeschmack hierzulande. Groß angesagt derzeit: Alejandro Sanz, aber auch jedes Klischee erfüllende Folklore wird gerne genommen.
Nach gut 30 Minuten und zweimal umsteigen kehre ich in Coyoacán wieder ans Tageslicht zurück. Viele neue Eindrücke gewonnen, ein Vorurteil kräftig abgemildert, das kann man durchaus als gelungenes Experiment werten. Es gibt noch viel zu entdecken in dieser Riesenstadt!
Kommentare (2)  Permalink

Kommentare

Hollito @ 06.09.2006 20:12 CEST
Hallo Robert,
kann deine Erfahrungen nur bestätigen. Sicher kann auch in der Metro "was passieren", ich habe aber bisher auch noch nie schlechte Erfahrungen gemacht, ganz im Gegenteil, ich wurde schon angesprochen, weil ich als Deutscher leicht zu erkennen bin (groß, blond, blaue Augen) und die Leute mir z.B. einfach nur sagen wollten, das sie auch schon mal in D waren und es ihnen dort gut gefiel. Und wie ich denn MX und/oder DF finden würde. Und was ich mir in MX/DF als nächstes ansehen will, usw usw.
Coyoacán finde ich übrigens echt klasse! :-)
Andreas Bohn @ 06.09.2006 20:22 CEST
Laß Dich nur nicht verrückt machen, Metrofahren ist kein Problem. Wenn man keine Wertsachen dabei hat, kann auch nichts abhanden kommen. Wenn man hier ein bischen gesunden Menschenverstand mitbringt, ist die Stadt auch nicht schlimmer als beispielsweise Paris.

Beim Taxi besser auf die Nummer schauen, als auf die Farbe, echte Nummern fangen mit L oder S an und dann kommen nur noch Ziffern, alles andere sind Piraten. Es gibt zwar keine Garantie, in einem echten Taxi nicht ausgeraubt zu werden, aber es ist weniger wahrscheinlich.
Keine (weiteren) neuen Kommentare erlaubt.