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Zweiter

Ich bin nun fast zwei Monate hier in Mexiko-Stadt. Vieles ist hier anders als anderswo, und das trifft ganz sicher auch auf die Lauferei zu. Die Höhenlage - und der zentrale Parameter, der sich geändert hat - bedingt nach meiner Analyse ein anderes Training, als ich dies aus Berlin gewohnt war.
Vor zwei Wochen habe ich an einem weiteren Wettkampf teilgenommen, dem 15km-Lauf im Rahmen des "TuneUp-Races", das der Vorbereitung auf die Marathonläufe in den USA dienen soll. Die Hauptstrecke sind 26km. Start war morgens um sieben Uhr, was mir überhaupt nicht liegt, aber das nur am Rande, ansonsten ein hoch professionell organisierter Lauf mit Startblockeinteilung (Zuordnung über obligatorische Kappen, ich musste mich erst nach vorne argumentieren, weil ich noch keinen lokalen record hatte), Messlinie und jeder Menge kostenloser Gaben, z.B. eine Fleecejacke bei ca. 20 Euro Startgeld.

Das Rennen führt über die 15km über eine stark kupierte Runde mit insgesamt 150 Höhenmetern, richtig ins Rollen kam ich nie, ab Kilometer vier lief ich komplett alleine und im Ziel hatte ich eine unterirdische Zeit von 1:00:30h. Das hat bei den 15km-Läufern (insgesamt 800) erstaunlicherweise zu Rang zwei insgesamt gereicht, aber ehrlicherweise muss ich zugeben, dass die meisten starken Läufer über 26km unterwegs waren (etwa 1500), von denen dann auch knapp 20 vor mir an der 15er-Marke waren.

Relativ zu meiner Zeit von 59:46 drei Wochen vorher auf weitgehend ebener Strecke aber trotzdem eine Steigerung, festzumachen auch am Abstand zu Ricardo (M40-Sieger), den ich wieder erkannt habe. Dem habe ich beim ersten Lauf 90 Sekunden abgenommen, nun über drei Minuten. Trotz der Platzierung war ich über die Zeit enttäuscht, denn beim robusten Abschlusstraining am Donnerstag vor dem Lauf bin ich mehrmals 2000m auf welliger Runde immer sicher unter 7:45 gelaufen. Das positive Grundgefühl ließ sich aber nicht in den Wettkampf übertragen, schon auf dem zweiten Kilometer - der noch eben war - lag ich knapp über 4:00.
Ich habe mein Training bis zum Wettkampf analysiert und habe folgende Auffälligkeiten registriert:
  1. Die Erholung nach schweren Einheiten dauert doppelt so lange wie im Flachland - insbesondere bei schnellen Sachen, aber auch bei langen Kanten.
  2. Die Streuung zwischen gemütlichem Joggingtempo, GA1, GA2 und WK-Tempo ist viel geringer. Während sich langsame Einheiten kaum von den Erfahrungen in Berlin unterscheiden - 4:30 bis 4:45 geht immer problemlos - steigt die Belastungskurve danach sehr steil an, alles unter 4:00 ist wirklich hart.
  3. Die Leistungsentwicklung ist gebremst, da weniger Umfang und Intensität möglich sind. Die Zeitachse für die Vorbereitung muß also angepasst werden.
Meine Folgerungen daraus:
  • Frühjahrsziel ist der Boston-Marathon, für die Vorbereitung im engeren Sinne rechne ich 16 Wochen, also beginnend ab Mitte Dezember 2006.
  • Bis dahin werde ich schwerpunktmäßig an der Grundlagenausdauer arbeiten, niedrige Intensitäten, dazu Verbesserung der allgemeinen Athletik
  • Wettkämpfe bis dahin werde ich freudbetont einstreuen, quasi als einzige Tempoeinheiten, aber auch zur Festigung des sozialen Umfeldes. Dazu gehört ein Crosslauf Ende Oktober und ein Halbmarathon Mitte November.
  • Auf den Vorbereitungskalender habe ich außerdem den Silvesterlauf im Plänterwald gesetzt.
Für Kommentare zu diesem Thema bin ich besonders dankbar....
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Metrofahren in Mexiko

Wer als Neuankömmling nach Mexiko-Stadt kommt, wird von den schon anwesenden Landsleuten routinemäßig mit einem ganzen Bündel an guten Ratschlägen begrüßt. So weit, so gut. Die Tipps erstrecken sich hier allerdings weniger auf das angesagteste Restaurant, die schicke Galerie um die Ecke oder das üppige Kulturangebot. Was man hier viel eher um die Ohren bekommt sind Warnungen aller Art. Bloß keinen Salat essen, auf gar keinen Fall mit grünen Taxis fahren, Obst vom Händler an der Ecke, ja um Gottes Willen! Das irritiert natürlich, und erst Stück für Stück muss man für sich selbst erfahren, wie es denn um die Qualität der Ratschläge bestellt ist. Wovon ganz allgemein abgeraten wird, ist das U-Bahn-Fahren. Gut, manche Mahner mahnen einfach pauschal und gestehen im nächsten Halbsatz, dass sie aufgrund von früheren Warnungen bisher selbst noch nie Metro in Mexiko gefahren sind. Auch durchaus seriöse Reiseführer machen mit ihren Beschreibungen zunächst stutzig.
Das Wochenende scheint ein günstiger Zeitpunkt, die Probe auf's Exempel zu machen. Der erste Schritt ist immer der schwerste, und vorbei an einigen obskuren Gestalten - allerdings auch nicht nerviger als der Berliner Durchschnittspunk - geht es hinab in die Tiefe. Auf dem ersten Zwischenabsatz befindet sich der Fahrkartenschalter, Automaten gibt es nicht, Arbeitskraft ist schließlich billig hier. Eine Einzelfahrkarte kosten 2 Pesos, gerade einmal 15 Cent, ein fairer Preis also. Man kann beliebig viele Karten auf einmal kaufen, Rabatt gibt es allerdings nicht. Das Ambiente unter Tage ist nicht gerade kuschelig, aber auch nicht wesentlich anders als in Berlin, London oder Paris. Dank guter Farbmarkierungen fällt die Orientierung leicht, man sollte sich nur vorher genau überlegt haben, wohin man möchte und wo man am besten umsteigt. Ansagen am Bahnsteig oder im Zug - Fehlanzeige. Die Taktzeiten sind sehr kurz, so dass man nirgends länger als ein paar Minuten warten muss.
Die anderen Fahrgäste sehen locker und entspannt aus, so dass auch meine anfängliche Skepsis allmählich weicht. Aufgelockert wird die Fahrt durch die permanent ein- und aussteigenden Händler, fast nach jedem Halt wird eine neue Ware angepriesen. Meistens werden schwarz gebrannte CDs angeboten, und um die Vorzüge richtig zur Schau zu stellen, werden die beliebtesten Tracks auf dem mitgebrachten Geräten gleich angespielt. Man bekommt auch gleich einen Eindruck über den aktuellen Musikgeschmack hierzulande. Groß angesagt derzeit: Alejandro Sanz, aber auch jedes Klischee erfüllende Folklore wird gerne genommen.
Nach gut 30 Minuten und zweimal umsteigen kehre ich in Coyoacán wieder ans Tageslicht zurück. Viele neue Eindrücke gewonnen, ein Vorurteil kräftig abgemildert, das kann man durchaus als gelungenes Experiment werten. Es gibt noch viel zu entdecken in dieser Riesenstadt!
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