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Zwei Welten

Auch ich habe in Deutschland gelegentlich zur Runner's World gegriffen, und es dann meistens immer recht schnell wieder bereut. Wenige lesenswerte Artikel fanden sich zwischen allerlei Allgemeinplätzen und Produkthinweisen, für den ambitionierteren Läufer (der nach deutscher RW-Definiton schon bei vergleichsweise bescheidenen Grenzen beginnt) hat diese Lifestyle-Gazette recht wenig zu bieten, wenn man mal von der Milke'schen Artikelserie im letzten Jahr absieht. Dieser Tage habe ich nun das US-amerikanische Original der Runner's World in die Hand bekommen, und da war ich wirklich baff. Welten liegen zwischen den beiden Varianten, und das Mutterblatt ist nun wirklich eine Publikation, die ich als sehr lesenswert erachte. In der aktuellen Ausgabe wird zudem gerade der 40. Geburtstag des Heftes gefeiert, abgebildet ist auch die Titelseite der ersten Nummer, die damals noch "Distance Running News" hieß. Genau so würde wohl eine Laufzeitschrift aussehen, die Folker Lorenz als Art-Director hätte... Viel Wert wird im Heft auf die Masterszene gelegt, aber auch die nationale Spitze ist Gegenstand der Berichterstattung. Zum Jubiläum gibt es als Zusatz noch jede Menge Weisheiten von den Koryphäen der Lauf- und Trainingsszene. Mein aktueller Favorit stammt von Amby Burfoot, dem Sieger des Boston-Marathons von 1968 und langjährigen Runner's World Herausgeber:

Down but not out - "Don't expect to be in top shape at all times. Everybody has down periods, either deliberate or
otherwise. You can always get back in shape".

Das Auslandsabo der US-Runner's World wird derzeit für 50 $ angeboten. Ich werde da nicht lange zögern.

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Wieder im Wettkampfgeschehen!

Heute morgen habe ich mich laufenderweise wieder ins Wettkampfgeschehen gestürzt. Auf dem Programm stand der 15 Kilometer lange Lauf "Gran Salon de la Fama" in den Straßen des Stadtteils Polanco. Insgesamt eine sehr professionell und auch nett organisierte Veranstaltung. Schon gestern hatte ich mein Starterpaket abgeholt, für 180 Pesos (ca. 13 Euro) gab es ausser der Startnummer noch ein Funktionshirt, eine Trinkflasche und eine Tüte Erdnüsse.
Die anhaltenden Proteste um den Wahlausgang in Mexiko von Anfang Juli hatten eine Streckenänderung notwendig gemacht, die Route führte nun etwas weiter nördlich als üblich durch Polanco, der Startschuss fiel am Parque America, was ich als ehr symbolträchtig empfand, da es von dort nur ca. 150 Meter zu unserer künftigen Wohnung sind. Auch von meinem jetzigen Wohnhotel ist es nur ein knapper Kilometer. Die Startzeit wurde zudem auf 8 Uhr vorverlegt, was für mich insofern von Bedeutung war, da ich den Abend zuvor zu einer Geburtstagsfeier eingeladen war. Das Essen war gut, die Stimmung ebenfalls, und da ich mich ja auch neben der Lauferei ins soziale Umfeld eingliedern wollte, dauerte es eben bis 01.30 Uhr, bis ich im Bett war. Fünf Stunden später war ich wieder wach, eine deutliche Übelkeit mahnte mich eigentlich zum Liegenbleiben. Aber kneifen war definitiv keine zulässige Möglichkeit.
Im Startbereich wirkte alles fast wie in Deutschland, ein Toilettenwagen, Kleideraufbewahrung war vorhanden, sogar eine kleine Laufmesse mit Verkaufsständen gab es, allerdings hatten die Händler ihre Waren meist auf Decken vor sich ausgebreitet. Auffällig war die Präsenz vieler gut durchtrainierter Läufer, insbesondere auch in den Altersklassen ab M40, die hier Master heissen.
Am Start war mir dann durchaus etwas flau zumute, und ich registrierte auch genau die neugieren Blicke anderer Läufer, die fast durchweg mindestens einen Kopf kleiner waren. Mein Ziel war es - ganz bescheiden -, unter einer Stunde zu bleiben. Man darf nicht vergessen, dass Mexiko Stadt auf einer Seehöhe von 2.300m liegt. Selbst nach vielen Wochen Anpassung ist man in aller Regel nicht in der Lage, seine Laufzeiten aus dem Flachland zu reproduzieren, und ich bin nun gerade mal 14 Tage hier. Zudem war durch den Umzug kaum ein vernünftiges Training möglich, mehr als 15 Kilometer war ich seit vielen Wochen nicht mehr gelaufen.
Schon wenige Meter nach dem Start fühlten sich meine Beine bleischwer an, das typische Gefühl, das ich auch während meiner jüngsten Trainingsläufe zu spüren bekommen hatte. Vorne ging direkt die Post ab, schon erstaunlich, wie gut die Jungs - und auch die Mädels - hier drauf sind. Bei Kilometer 2 zeigte die Uhr 7:51, subjektiv war das schon ziemlich anstrengend, also war mein Plan mit dem 4er Schnitt sicherlich ganz brauchbar. Auch hier zog sich das Feld wie sonst üblich rasch in die Länge, und ab Kilometer 4 war ich dann mehr oder minder allein. Da hatte ich dann schon gemerkt, dass das heute kein Kindergeburtstag werden würde, die Zielerreichung würde echt anstrengend werden. Leider waren die Verpflegungsstände etwas ungerecht verteilt, km 4 und 8 waren in Ordnung, die Lücke zu km 14 dann aber doch groß, zumal ich da auch nicht mehr wirklich trinken wollte... Bis auf den letzten Kilometer war alles andere als klar, ob ich die Stundenmarke knacken könnte, und ziemlich kaputt strebte ich dem Ziel entgegen, das ich schließlich nach 59:45 Minuten erreichte.
Meine Vorgabe habe ich damit erreicht, und ich sollte damit auch zufrieden sein, auch wenn meine Flachlandzeiten insbesondere aus dem Jahr 2005 natürlich etwas anderes nahelegen könnten. Aber auch die Fachliteratur geht davon aus, das nach zwei Wochen auf einer Höhe 2.300m immer noch  ca. 5 bis 10 Prozent  an Leistungsvermögen fehlen.
Nach dem Rennen gab es eine schicke Medaille und auch Glückwünsche von mexikanischen Konkurrenten, am meisten gefreut hat mich die von Ángel Hernández, den ich bei Kilometer 11 eingeholt hatte. Zu seinen Freunden, die ihn später als nationalen Spitzenläufer der 80er-Jahre bezeichneten, sagte er: "Er hat sogar mich überholt". So übel wird es dann schon nicht gewesen sein.
Im Endergebnis war ich schließlich 36. von ca. 500 Läufern insgesamt, 9. meiner Altersklasse, die wie aus Deutschland gewohnt wieder einmal die am stärksten besetzte war. Der Sieg ging an Rubén García Gomez in starken 48:25 (3:14er Schnitt), und erwähnenswert ist sicher auch, dass 6 Frauen vor mir im Ziel waren. Gut sechs Minuten nach mit kam übrigens mit Joel Sanchez der Olympiadritte von Sydney im 50km Gehen an.

Zur Ergebnisdatenbank:
www.metadeportes.com/p_eventos.htm
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Endlich wieder richtig Laufen!

Seit Sonntag bin ich wieder ein anderer Mensch! Erstmals habe ich es geschafft, nach Tagen voller Arbeit meine Wohnumgebung per Rad zu erkunden, um dann auch Läufe außerhalb des hoteleigenen Fitnessraumes machen zu können. Es ist ja leider nicht so, dass man hier in der Stadt einfach mal so losläuft, davon muss leider abgeraten werden. Es ist unverzichtbar, sich eine genaue Strecke zurechtzulegen, die die diversen Problemregionen außen vor lassen. Problemlos habe ich die in Parque Chapultepec gelegene Laufanlage "El Sope" gefunden. In einem eingezäunten Areal gibt es eine 2000 Meter lange Rundstrecke auf einem etwa 2 Meter breiten Weg auf festen, aber angenehm zu laufenden Ziegelstaubuntergrund. Die Runde hat eine Höhenunterschied von ca. 25 Metern, klingt jetzt nicht so viel, aber auf 2.300 Metern Seehöhe merkt man das schon, vor allem, wenn der Trainingszustand suboptimal ist. Von meinem Hotel sind es runde 2,5 Kilometer bis zum Beginn der Strecke, ich habe mir Sonntag 5 Runden im 4:30er Schnitt vorgenommen, was aber leider anstrengender als erhofft war.... Heute mein zweiter Besuch, und gleich habe ich die erste Läuferbekanntschaft geschlossen. Rafael, ein Anfangsvierziger aus der Hauptstadt, bereitet sich gerade intensiv auf den in zwei Wochen stattfindenden Stadtmarathon hier vor. Sub3 ist sein Ziel. Drei Runden sind wir gemeinsam gelaufen, und so er drauf war, schafft er das auch. Ansonsten ist das Klima auf der Anlage sehr angenehm und entspannt, von den Fatburnern bis zu leistungssportlich orientierten Läufern ist alles vertreten. Richtig eng wird es nie, auch weil alles im Einbahnbetrieb läuft und die Langsameren konsequent an der Seite laufen. Das Training draussen hat mir richtig Freude gemacht, so schön der Sport eben ist. Und mir selbst ist es heute gleich auch besser gelaufen als noch gestern!
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Schafsgeduld ist hilfreich

Mein Kontrastprogramm zur unglaublichen Größe und Hektik der Megalopolis Mexiko-Stadt ist ein nettes Buch mit Schafen in der Hauptrolle. "Glennkill" von Leonie Swann bevölkert seit einiger Zeit die Bestsellerlisten, und das hat auch seinen Grund. Natürlich ist der literarische Anspruch eher bescheiden, und auch die Story gelegentlich etwas zäh. Aber die liebenswerte Schreibe und der ungewohnte Blickwinkel aus Schafssicht helfen dabei, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen und auch mal das eine oder andere gelassen zu sehen. Sehr wichtig in Mexiko! Ich sehe den Roman als nette Unterhaltung, ein prima Entspannungsprogramm.
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...der deutschen Sprache

Das Filmfestival hier ist Geschichte, ich habe mir aus Zeitgründen nur zwei Filme ansehen können, nämlich den von mir schon gesehenen "Sommer vorm Balkon" mit wahrscheinlich 90 Prozent deutschen ExPats im Publikum und Statosphere Girl, der in englischer Version mit spanischen Untertiteln gezeigt wurde. Letzteren fand ich aufgrund der von mir gerade selbst gemachten Erfahrung - neu in einer fremden Kultur - sehr interessant. Eine Preisverleihung gab es nicht, eine wohl nicht ganz repräsentative Publikumswahl auf der Seite des Goethe-Instituts gewann das "Lächeln der Tiefseefische"

http://www.goethe.de/ins/mx/mex/prj/f06/deindex.htm

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Willkommen in der Neuen Welt

Nun ist also die Zeit gekommen, ich bin in Mexiko, und es fühlt sich noch sehr irreal an. Der Abschied von Berlin war sehr emotional, denn ich hinterlasse dort nicht nur ein Umfeld, in dem ich mich sehr wohl fühle, sondern für mindestens einige Wochen auch meine Simone. Ich wohne hier noch im Hotel, so dass das wahre Umzugsfeeling noch nicht eingesetzt hat. Heute sind nun meine Kisten mit dem unbegleiteten Luftgepäck angekommen, auch ein Fahrrad ist dabei, viele vertraute Gegenstände, die aber die Heimat noch nicht ersetzen können. Leider ist einer meiner Koffer bislang unauffindbar, aber ich gebe die Hoffnung noch nicht ganz auf. Letztlich dürfte aber im Fall des Falles aber die Versicherung einspringen.
Die Ankunft in Mexiko-Stadt war aber auch die Rückkehr in ein bekanntes Umfeld. Noch bin ich nicht groß aus dem Stadtteil Polanco hinaus gekommen, und so wirkt das eher wie eine luxuriöse Kleinstadt. Auf der Avenida Reforma haben sich die Anhänger des linksgerichteten Präsidentschaftskandidaten Lopez Obrador häuslich eingerichtet. Damit wollen sie gegen die Ihrer Meinung nach irreguläre Wahl von Anfang Juli demonstrieren. Das städtische Leben ist dadurch wie gelähmt, und der Straßenverkehr rollt durch die Nebenwege. Und auch mein erstes wirkliches Ziel in Mexiko-Stadt ist gefährdet. Die Avenida Reforma ist Streckenbestandteil des "Gran Salon de la Fama", eines 15km Laufwettbewerbs, der am 20. August geplant ist und bei dem ich eigentlich mitmachen will. Wenn ich das Beharrungsvermögen der Demonstanten allerdings richtig deute, kann nur eine andere Streckenführung die Veranstaltung retten....

Ich bleibe optimistisch!

Viele Grüsse an alle, Robert
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