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Die Tortilla-Krise

Ich gebe es zu, ich habe das Thema unterschätzt. Tortillas, diese seltsamen runden Dinger mit ihrem Geschmack zwischen Sägemehl und Pappkarton, mit ihrer undefinierbaren Konsistenz haben für mich  immer schon zu den großen Mysterien Mexikos gehört. Aber jetzt ist hier alles in  Alarmstimmung, die Medien kennen kaum ein anderes Thema mehr, Radio Formato 21 weckt mich jeden Tag mit den neuesten Horrormeldungen, und Präsident Calderón hat seine erste schwierige Herausforderung anzunehmen: der Preis steigt, und zwar unaufhaltsam. Im Supermarkt meines Misstrauens hing seit eh und je das gedruckte Preisschild: 1 kg/6,90 Pesos. Irgendwann  vor ein paar Wochen wurde es gegen einen 7,90er-Hinweis ausgetauscht, aber seit gut einer Woche ist der Teufel los: Die Preise steigen ins Unermessliche, jüngste - handgeschriebene Notierung: 12 Pesos. Auch der Tacoladen an der Ecke hat die Preise angepasst, und sogar in der bürgerlichen Gastronomie haben sich Änderungen ergeben: In der runden Bastdose fand ich kürzlich nur noch drei statt der üblichen fünf Fladen vor.
Mir könnte es ja recht egal sein, wie sich der Preis entwickelt, denn ich mag Tortillas ohnehin nicht wirklich. Genauer gesagt: Maistortillas. Tortillas aus Weizenmehl gibt es zwar auch, aber man erntet bei Einheimischen für derartige Präferenzen häufig nur Kopfschütteln. Mais muss es sein, wegen des Geschmacks - und des Gefühls. Die runden Kalorienspender dienen auch als Besteckersatz. Und das geht so: Tortilla in die Hand nehmen, in die restlichen Bestandteile hineingrapschen, und lustvoll zubeissen. Wirkt erstmal etwas ungewohnt, aber selbst Anzugträger beim Businesslunch pflegen derartige Manieren.
Wie es enden wird, keine Ahnung. Inzwischen werden staatliche Interventionen erwogen, und demnächst machen wahrscheinlich die Streitkräfte mobil....
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Weihnachtsplätzchen

...für heimatliche Gefühle (Backzeit aufgrund der Höhe verlängern!)

Zitronenherzen

(ca. 50 Stück)

3                    Eigelb             mit
120 g              Zucker            und
1                    Vanillezucker   schaumig schlagen,
3 Tropfen        Backöl Zitrone
1 Messerspitze Backpulver
200 g              gem. Mandeln  unterrühren, auf einer mit gem. Haselnüssen bestreuter            
                                          Arbeitsplatte ausrollen, ausstechen, backen

10 min bei 175°C (vorgeheizt)

50 g                Puderzucker   mit
2 EL                Zitronensaft    glattrühren, auf warme Plätzchen streichen, trocknen lassen

Kokosmakronen
(ca. 50 Stück)

2                     Eier               mit
200 g               Zucker           und
1 Prise             Salz                schaumig schlagen,
250 g               Kokosraspeln   und
2 EL                 Zitronensaft    unterrühren, ruhen lassen (bis Flüssigkeit aufgesogen ist), auf
                      Oblaten           (oder einfach ohne auf Backpapier) verteilen, backen

15 min bei 150°C (vorgeheizt)

Ischler Krapfen

(40-45 Stück)

140 g               Butter            mit
70 g                 Zucker           und
1                     Eigelb             schaumig schlagen,
70 g                 gem. Mandeln  und
200 g                Mehl              unterkneten, Teig kühl stellen, ausrollen und ausstechen, backen

10 min bei 175°C (vorgeheizt)

100 g               Puderzucker    mit
3 EL                 starkem Kaffee glattrühren, Hälfte der warmen Plätzchen damit bestreichen, mit
                      Schokobahnen  verzieren, trocknen lassen,
80 g                 Butter             mit
10 g                 Puderzucker    
1                     Eigelb              und
1 TL                 Kaffee-Extrakt  verrühren, je zwei abgekühlte Plätzchen mit Füllung
                                            zusammensetzen

Rote Nestchen
(35-40 Stück)

250 g                Mehl
65 g                 Zucker
1                     Ei                  und
125 g               Butter            zu Mürbteig verarbeiten, 1 Std. in Folie gewickelt kühl stellen,
                                           ausrollen und ausstechen,
200 g               Marzipanrohmasse mit
2                     Eiweiß            verrühren, mit Spritztülle kreisförmig an den Rand der Plätzchen
                                           spritzen, in die Mitte mit TL
200 g               Himbeergelee  geben, backen

15 min bei 175°C (vorgeheizt)

Schoko Fruchties
(40-50 Stück)

100 g             Trockenfrüchte  in kleine Würfel schneiden, in
8 EL               Apfelsaft            mind. 1 Std. einweichen,
5 EL               Haferflocken      mit
50 g               geh. Mandeln     und
4 TL               braunem Zucker in beschichteter Pfanne unter Rühren karamelisieren, auf Teller
                                             abkühlen lassen,
1                    Eigelb
2 EL                Honig
1 Prise            Salz                  und
2 EL                Zitronensaft      schaumig schlagen,
50 g                gem. Mandeln   sowie die Mandel-Haferflockenmasse und eingeweichte Früchte
                                            unterrühren, in kleinen Häufchen auf Backblech setzen, backen

8 min bei 175°C (vorgeheizt)

100 g               Kuvertüre         verzieren

Amaretti
(30 Stück)

3                     Eiweiß              steif schlagen,
300 g               gem. Mandeln
6 Tropfen         Bittermandelöl
300 g               Zucker              nach und nach unterrühren, 1 Std. kühl stellen, in kleine
                                              Häufchen auf Backblech setzen, backen

25 min bei 160°C (vorgeheizt)

Lebkuchen

75 g                Butter               mit
100 g               Zucker              und
2                     Eiern                schaumig schlagen,
1 TL                Zimt
1 TL                Kakao
1 Messerspitze  gem. Nelken
2 Tropfen        Bittermandelöl    unterrühren, danach
100 g               Zitronat
100 g               Orangeat
150 g               gem. Haselnüsse
100 g               Rosinen             untermengen, zum Schluss abwechselnd
125 ml              Milch                und
250 g               Mehl
1 TL                Backpulver         unterrühren, auf
                      Oblaten             verteilen, backen

20 min bei 200°C (vorgeheizt)
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Süßes

Schoko Crossies
(ca. 50 Stück)
200g    Kuvertüre              mit
25g     Kokosfett (Palmin)   und
1        Vanillezucker          in Wasserbad schmelzen, unter
125g    Kornflakes             rühren  - so dass diese komplett mit Schokolade überzogen sind -,
                                      Masse in Häufchen auf Alufolie setzen, abkühlen lassen
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Zweiter

Ich bin nun fast zwei Monate hier in Mexiko-Stadt. Vieles ist hier anders als anderswo, und das trifft ganz sicher auch auf die Lauferei zu. Die Höhenlage - und der zentrale Parameter, der sich geändert hat - bedingt nach meiner Analyse ein anderes Training, als ich dies aus Berlin gewohnt war.
Vor zwei Wochen habe ich an einem weiteren Wettkampf teilgenommen, dem 15km-Lauf im Rahmen des "TuneUp-Races", das der Vorbereitung auf die Marathonläufe in den USA dienen soll. Die Hauptstrecke sind 26km. Start war morgens um sieben Uhr, was mir überhaupt nicht liegt, aber das nur am Rande, ansonsten ein hoch professionell organisierter Lauf mit Startblockeinteilung (Zuordnung über obligatorische Kappen, ich musste mich erst nach vorne argumentieren, weil ich noch keinen lokalen record hatte), Messlinie und jeder Menge kostenloser Gaben, z.B. eine Fleecejacke bei ca. 20 Euro Startgeld.

Das Rennen führt über die 15km über eine stark kupierte Runde mit insgesamt 150 Höhenmetern, richtig ins Rollen kam ich nie, ab Kilometer vier lief ich komplett alleine und im Ziel hatte ich eine unterirdische Zeit von 1:00:30h. Das hat bei den 15km-Läufern (insgesamt 800) erstaunlicherweise zu Rang zwei insgesamt gereicht, aber ehrlicherweise muss ich zugeben, dass die meisten starken Läufer über 26km unterwegs waren (etwa 1500), von denen dann auch knapp 20 vor mir an der 15er-Marke waren.

Relativ zu meiner Zeit von 59:46 drei Wochen vorher auf weitgehend ebener Strecke aber trotzdem eine Steigerung, festzumachen auch am Abstand zu Ricardo (M40-Sieger), den ich wieder erkannt habe. Dem habe ich beim ersten Lauf 90 Sekunden abgenommen, nun über drei Minuten. Trotz der Platzierung war ich über die Zeit enttäuscht, denn beim robusten Abschlusstraining am Donnerstag vor dem Lauf bin ich mehrmals 2000m auf welliger Runde immer sicher unter 7:45 gelaufen. Das positive Grundgefühl ließ sich aber nicht in den Wettkampf übertragen, schon auf dem zweiten Kilometer - der noch eben war - lag ich knapp über 4:00.
Ich habe mein Training bis zum Wettkampf analysiert und habe folgende Auffälligkeiten registriert:
  1. Die Erholung nach schweren Einheiten dauert doppelt so lange wie im Flachland - insbesondere bei schnellen Sachen, aber auch bei langen Kanten.
  2. Die Streuung zwischen gemütlichem Joggingtempo, GA1, GA2 und WK-Tempo ist viel geringer. Während sich langsame Einheiten kaum von den Erfahrungen in Berlin unterscheiden - 4:30 bis 4:45 geht immer problemlos - steigt die Belastungskurve danach sehr steil an, alles unter 4:00 ist wirklich hart.
  3. Die Leistungsentwicklung ist gebremst, da weniger Umfang und Intensität möglich sind. Die Zeitachse für die Vorbereitung muß also angepasst werden.
Meine Folgerungen daraus:
  • Frühjahrsziel ist der Boston-Marathon, für die Vorbereitung im engeren Sinne rechne ich 16 Wochen, also beginnend ab Mitte Dezember 2006.
  • Bis dahin werde ich schwerpunktmäßig an der Grundlagenausdauer arbeiten, niedrige Intensitäten, dazu Verbesserung der allgemeinen Athletik
  • Wettkämpfe bis dahin werde ich freudbetont einstreuen, quasi als einzige Tempoeinheiten, aber auch zur Festigung des sozialen Umfeldes. Dazu gehört ein Crosslauf Ende Oktober und ein Halbmarathon Mitte November.
  • Auf den Vorbereitungskalender habe ich außerdem den Silvesterlauf im Plänterwald gesetzt.
Für Kommentare zu diesem Thema bin ich besonders dankbar....
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Metrofahren in Mexiko

Wer als Neuankömmling nach Mexiko-Stadt kommt, wird von den schon anwesenden Landsleuten routinemäßig mit einem ganzen Bündel an guten Ratschlägen begrüßt. So weit, so gut. Die Tipps erstrecken sich hier allerdings weniger auf das angesagteste Restaurant, die schicke Galerie um die Ecke oder das üppige Kulturangebot. Was man hier viel eher um die Ohren bekommt sind Warnungen aller Art. Bloß keinen Salat essen, auf gar keinen Fall mit grünen Taxis fahren, Obst vom Händler an der Ecke, ja um Gottes Willen! Das irritiert natürlich, und erst Stück für Stück muss man für sich selbst erfahren, wie es denn um die Qualität der Ratschläge bestellt ist. Wovon ganz allgemein abgeraten wird, ist das U-Bahn-Fahren. Gut, manche Mahner mahnen einfach pauschal und gestehen im nächsten Halbsatz, dass sie aufgrund von früheren Warnungen bisher selbst noch nie Metro in Mexiko gefahren sind. Auch durchaus seriöse Reiseführer machen mit ihren Beschreibungen zunächst stutzig.
Das Wochenende scheint ein günstiger Zeitpunkt, die Probe auf's Exempel zu machen. Der erste Schritt ist immer der schwerste, und vorbei an einigen obskuren Gestalten - allerdings auch nicht nerviger als der Berliner Durchschnittspunk - geht es hinab in die Tiefe. Auf dem ersten Zwischenabsatz befindet sich der Fahrkartenschalter, Automaten gibt es nicht, Arbeitskraft ist schließlich billig hier. Eine Einzelfahrkarte kosten 2 Pesos, gerade einmal 15 Cent, ein fairer Preis also. Man kann beliebig viele Karten auf einmal kaufen, Rabatt gibt es allerdings nicht. Das Ambiente unter Tage ist nicht gerade kuschelig, aber auch nicht wesentlich anders als in Berlin, London oder Paris. Dank guter Farbmarkierungen fällt die Orientierung leicht, man sollte sich nur vorher genau überlegt haben, wohin man möchte und wo man am besten umsteigt. Ansagen am Bahnsteig oder im Zug - Fehlanzeige. Die Taktzeiten sind sehr kurz, so dass man nirgends länger als ein paar Minuten warten muss.
Die anderen Fahrgäste sehen locker und entspannt aus, so dass auch meine anfängliche Skepsis allmählich weicht. Aufgelockert wird die Fahrt durch die permanent ein- und aussteigenden Händler, fast nach jedem Halt wird eine neue Ware angepriesen. Meistens werden schwarz gebrannte CDs angeboten, und um die Vorzüge richtig zur Schau zu stellen, werden die beliebtesten Tracks auf dem mitgebrachten Geräten gleich angespielt. Man bekommt auch gleich einen Eindruck über den aktuellen Musikgeschmack hierzulande. Groß angesagt derzeit: Alejandro Sanz, aber auch jedes Klischee erfüllende Folklore wird gerne genommen.
Nach gut 30 Minuten und zweimal umsteigen kehre ich in Coyoacán wieder ans Tageslicht zurück. Viele neue Eindrücke gewonnen, ein Vorurteil kräftig abgemildert, das kann man durchaus als gelungenes Experiment werten. Es gibt noch viel zu entdecken in dieser Riesenstadt!
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Zwei Welten

Auch ich habe in Deutschland gelegentlich zur Runner's World gegriffen, und es dann meistens immer recht schnell wieder bereut. Wenige lesenswerte Artikel fanden sich zwischen allerlei Allgemeinplätzen und Produkthinweisen, für den ambitionierteren Läufer (der nach deutscher RW-Definiton schon bei vergleichsweise bescheidenen Grenzen beginnt) hat diese Lifestyle-Gazette recht wenig zu bieten, wenn man mal von der Milke'schen Artikelserie im letzten Jahr absieht. Dieser Tage habe ich nun das US-amerikanische Original der Runner's World in die Hand bekommen, und da war ich wirklich baff. Welten liegen zwischen den beiden Varianten, und das Mutterblatt ist nun wirklich eine Publikation, die ich als sehr lesenswert erachte. In der aktuellen Ausgabe wird zudem gerade der 40. Geburtstag des Heftes gefeiert, abgebildet ist auch die Titelseite der ersten Nummer, die damals noch "Distance Running News" hieß. Genau so würde wohl eine Laufzeitschrift aussehen, die Folker Lorenz als Art-Director hätte... Viel Wert wird im Heft auf die Masterszene gelegt, aber auch die nationale Spitze ist Gegenstand der Berichterstattung. Zum Jubiläum gibt es als Zusatz noch jede Menge Weisheiten von den Koryphäen der Lauf- und Trainingsszene. Mein aktueller Favorit stammt von Amby Burfoot, dem Sieger des Boston-Marathons von 1968 und langjährigen Runner's World Herausgeber:

Down but not out - "Don't expect to be in top shape at all times. Everybody has down periods, either deliberate or
otherwise. You can always get back in shape".

Das Auslandsabo der US-Runner's World wird derzeit für 50 $ angeboten. Ich werde da nicht lange zögern.

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Wieder im Wettkampfgeschehen!

Heute morgen habe ich mich laufenderweise wieder ins Wettkampfgeschehen gestürzt. Auf dem Programm stand der 15 Kilometer lange Lauf "Gran Salon de la Fama" in den Straßen des Stadtteils Polanco. Insgesamt eine sehr professionell und auch nett organisierte Veranstaltung. Schon gestern hatte ich mein Starterpaket abgeholt, für 180 Pesos (ca. 13 Euro) gab es ausser der Startnummer noch ein Funktionshirt, eine Trinkflasche und eine Tüte Erdnüsse.
Die anhaltenden Proteste um den Wahlausgang in Mexiko von Anfang Juli hatten eine Streckenänderung notwendig gemacht, die Route führte nun etwas weiter nördlich als üblich durch Polanco, der Startschuss fiel am Parque America, was ich als ehr symbolträchtig empfand, da es von dort nur ca. 150 Meter zu unserer künftigen Wohnung sind. Auch von meinem jetzigen Wohnhotel ist es nur ein knapper Kilometer. Die Startzeit wurde zudem auf 8 Uhr vorverlegt, was für mich insofern von Bedeutung war, da ich den Abend zuvor zu einer Geburtstagsfeier eingeladen war. Das Essen war gut, die Stimmung ebenfalls, und da ich mich ja auch neben der Lauferei ins soziale Umfeld eingliedern wollte, dauerte es eben bis 01.30 Uhr, bis ich im Bett war. Fünf Stunden später war ich wieder wach, eine deutliche Übelkeit mahnte mich eigentlich zum Liegenbleiben. Aber kneifen war definitiv keine zulässige Möglichkeit.
Im Startbereich wirkte alles fast wie in Deutschland, ein Toilettenwagen, Kleideraufbewahrung war vorhanden, sogar eine kleine Laufmesse mit Verkaufsständen gab es, allerdings hatten die Händler ihre Waren meist auf Decken vor sich ausgebreitet. Auffällig war die Präsenz vieler gut durchtrainierter Läufer, insbesondere auch in den Altersklassen ab M40, die hier Master heissen.
Am Start war mir dann durchaus etwas flau zumute, und ich registrierte auch genau die neugieren Blicke anderer Läufer, die fast durchweg mindestens einen Kopf kleiner waren. Mein Ziel war es - ganz bescheiden -, unter einer Stunde zu bleiben. Man darf nicht vergessen, dass Mexiko Stadt auf einer Seehöhe von 2.300m liegt. Selbst nach vielen Wochen Anpassung ist man in aller Regel nicht in der Lage, seine Laufzeiten aus dem Flachland zu reproduzieren, und ich bin nun gerade mal 14 Tage hier. Zudem war durch den Umzug kaum ein vernünftiges Training möglich, mehr als 15 Kilometer war ich seit vielen Wochen nicht mehr gelaufen.
Schon wenige Meter nach dem Start fühlten sich meine Beine bleischwer an, das typische Gefühl, das ich auch während meiner jüngsten Trainingsläufe zu spüren bekommen hatte. Vorne ging direkt die Post ab, schon erstaunlich, wie gut die Jungs - und auch die Mädels - hier drauf sind. Bei Kilometer 2 zeigte die Uhr 7:51, subjektiv war das schon ziemlich anstrengend, also war mein Plan mit dem 4er Schnitt sicherlich ganz brauchbar. Auch hier zog sich das Feld wie sonst üblich rasch in die Länge, und ab Kilometer 4 war ich dann mehr oder minder allein. Da hatte ich dann schon gemerkt, dass das heute kein Kindergeburtstag werden würde, die Zielerreichung würde echt anstrengend werden. Leider waren die Verpflegungsstände etwas ungerecht verteilt, km 4 und 8 waren in Ordnung, die Lücke zu km 14 dann aber doch groß, zumal ich da auch nicht mehr wirklich trinken wollte... Bis auf den letzten Kilometer war alles andere als klar, ob ich die Stundenmarke knacken könnte, und ziemlich kaputt strebte ich dem Ziel entgegen, das ich schließlich nach 59:45 Minuten erreichte.
Meine Vorgabe habe ich damit erreicht, und ich sollte damit auch zufrieden sein, auch wenn meine Flachlandzeiten insbesondere aus dem Jahr 2005 natürlich etwas anderes nahelegen könnten. Aber auch die Fachliteratur geht davon aus, das nach zwei Wochen auf einer Höhe 2.300m immer noch  ca. 5 bis 10 Prozent  an Leistungsvermögen fehlen.
Nach dem Rennen gab es eine schicke Medaille und auch Glückwünsche von mexikanischen Konkurrenten, am meisten gefreut hat mich die von Ángel Hernández, den ich bei Kilometer 11 eingeholt hatte. Zu seinen Freunden, die ihn später als nationalen Spitzenläufer der 80er-Jahre bezeichneten, sagte er: "Er hat sogar mich überholt". So übel wird es dann schon nicht gewesen sein.
Im Endergebnis war ich schließlich 36. von ca. 500 Läufern insgesamt, 9. meiner Altersklasse, die wie aus Deutschland gewohnt wieder einmal die am stärksten besetzte war. Der Sieg ging an Rubén García Gomez in starken 48:25 (3:14er Schnitt), und erwähnenswert ist sicher auch, dass 6 Frauen vor mir im Ziel waren. Gut sechs Minuten nach mit kam übrigens mit Joel Sanchez der Olympiadritte von Sydney im 50km Gehen an.

Zur Ergebnisdatenbank:
www.metadeportes.com/p_eventos.htm
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Endlich wieder richtig Laufen!

Seit Sonntag bin ich wieder ein anderer Mensch! Erstmals habe ich es geschafft, nach Tagen voller Arbeit meine Wohnumgebung per Rad zu erkunden, um dann auch Läufe außerhalb des hoteleigenen Fitnessraumes machen zu können. Es ist ja leider nicht so, dass man hier in der Stadt einfach mal so losläuft, davon muss leider abgeraten werden. Es ist unverzichtbar, sich eine genaue Strecke zurechtzulegen, die die diversen Problemregionen außen vor lassen. Problemlos habe ich die in Parque Chapultepec gelegene Laufanlage "El Sope" gefunden. In einem eingezäunten Areal gibt es eine 2000 Meter lange Rundstrecke auf einem etwa 2 Meter breiten Weg auf festen, aber angenehm zu laufenden Ziegelstaubuntergrund. Die Runde hat eine Höhenunterschied von ca. 25 Metern, klingt jetzt nicht so viel, aber auf 2.300 Metern Seehöhe merkt man das schon, vor allem, wenn der Trainingszustand suboptimal ist. Von meinem Hotel sind es runde 2,5 Kilometer bis zum Beginn der Strecke, ich habe mir Sonntag 5 Runden im 4:30er Schnitt vorgenommen, was aber leider anstrengender als erhofft war.... Heute mein zweiter Besuch, und gleich habe ich die erste Läuferbekanntschaft geschlossen. Rafael, ein Anfangsvierziger aus der Hauptstadt, bereitet sich gerade intensiv auf den in zwei Wochen stattfindenden Stadtmarathon hier vor. Sub3 ist sein Ziel. Drei Runden sind wir gemeinsam gelaufen, und so er drauf war, schafft er das auch. Ansonsten ist das Klima auf der Anlage sehr angenehm und entspannt, von den Fatburnern bis zu leistungssportlich orientierten Läufern ist alles vertreten. Richtig eng wird es nie, auch weil alles im Einbahnbetrieb läuft und die Langsameren konsequent an der Seite laufen. Das Training draussen hat mir richtig Freude gemacht, so schön der Sport eben ist. Und mir selbst ist es heute gleich auch besser gelaufen als noch gestern!
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Schafsgeduld ist hilfreich

Mein Kontrastprogramm zur unglaublichen Größe und Hektik der Megalopolis Mexiko-Stadt ist ein nettes Buch mit Schafen in der Hauptrolle. "Glennkill" von Leonie Swann bevölkert seit einiger Zeit die Bestsellerlisten, und das hat auch seinen Grund. Natürlich ist der literarische Anspruch eher bescheiden, und auch die Story gelegentlich etwas zäh. Aber die liebenswerte Schreibe und der ungewohnte Blickwinkel aus Schafssicht helfen dabei, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen und auch mal das eine oder andere gelassen zu sehen. Sehr wichtig in Mexiko! Ich sehe den Roman als nette Unterhaltung, ein prima Entspannungsprogramm.
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...der deutschen Sprache

Das Filmfestival hier ist Geschichte, ich habe mir aus Zeitgründen nur zwei Filme ansehen können, nämlich den von mir schon gesehenen "Sommer vorm Balkon" mit wahrscheinlich 90 Prozent deutschen ExPats im Publikum und Statosphere Girl, der in englischer Version mit spanischen Untertiteln gezeigt wurde. Letzteren fand ich aufgrund der von mir gerade selbst gemachten Erfahrung - neu in einer fremden Kultur - sehr interessant. Eine Preisverleihung gab es nicht, eine wohl nicht ganz repräsentative Publikumswahl auf der Seite des Goethe-Instituts gewann das "Lächeln der Tiefseefische"

http://www.goethe.de/ins/mx/mex/prj/f06/deindex.htm

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